www.c-schnabel.de > Projekte > Veranstaltungen > Geschichten aus dem Wiener Wald 2003

Inhaltsangabe

Die Gesellschaftskritik von Ödön von Horváth spielt vor Beginn des 2.Weltkrieges in Wien. Ein junges Mädchen (Marianne) verliebt sich in den Spieler Alfred, der gerade seine Affäre mit der Tabaktraffikantin (Valerie) beendet hat und wendet sich von ihrem Verlobten, dem Metzgermeister Oskar ab. Mariannes Vater, Betreiber eines Spezialgeschäftes für Spielwaren, Scherz- und Zauberartikel verstößt sie daraufhin.

Früh zeichnen sich die Probleme von Alfred und Marianne im Alltagsleben ab, schließlich bekommt Marianne auch noch ein Kind. Damit es diesem besser ergeht, wird es bald darauf von Alfres Mutter und Großmutter in der Wachau aufgenommen. Marianne löst sich von Alfred und bekommt Kontakt zu einer Baronin, die Tanzgruppen für elegante Etablissements zusammenstellt, den sie ist lediglich in der rhytmischen Gymnastik etwas geschult. Das Beziehungskarussell dreht sich munter weiter, denn die Trafikantin lässt sich auf ein Verhältnis mit dem jungen und aufstrebenden Nationalsozialisten Erich ein.

Alfreds Geldprobleme belasten das Verhältnis zu seiner Großmutter - es kommt zum Bruch. Marianne findet auch beim Beichten in der Kirche keine Hilfe, denn ihr geliebtes Kind will sie nicht bereuen. Obwohl von ihr bloßgestellt, würde Oskar sie immer noch heiraten, aber das Kind stellt für ihn ein Problem dar.

Als beinahe alle Beteiligten ausgelassen in einem Weinlokal feiern, beschließt die Gesellschaft unter Führung des Rittmeisters das Maxim, ein einschlägiges Lokal, aufzusuchen. Dort tritt Marianne auf. Doch auch angesichts ihrer Situation verzeiht ihr Vater ihr noch immer nicht.

Valerie gelingt Schritt für Schritt die Aussöhnung zwischen den Paaren. Auch der Zauberkönig muss angesichts seiner präkeren wirtschaftlichen Situation wieder Kontakt zu seiner Tochter aufnehmen. Nachdem die Parteien sich ausgesöhnt haben und der Zauberkönig sogar seine Enkel akzeptiert hat, suchen alle gemeinsam Alfreds Verwandte in der Wachau auf - doch unter dem "Einfluss" der Großmutter ist das Kind gestorben. So fügt sich Marianne ab Ende ihrem Schicksal.

So ist am Schluß die Ausgangssituation scheinbar wieder hergestellt - und doch ist nichts wie vorher. Auch wenn die Geschichte sehr verstrickt erscheint, gelingt Horváth eine unterhaltsame Komödie mit tieferem Sinn. Mit geschickten Worten entlarven sich die Figuren selbst - ihre Worte sind austauschbar, floskelhaft und Redensarten entlehnt. Ganze Dialoge werden praktisch ohne Inhalt geführt, Phrasen und Füllwörter wechseln einander ab. So wiederholen sich viele Gespräche beinahe wortwörtlich.

Gerade hier liegt die Leichtigkeit und Doppeldeutigkeit des Stückes aber auch seine tiefere Kritik. Selbst wenn die Handlung mit ihren verlogenen, heuchlerischen und gleichzeitig durch ihre Einfachheit wieder ehrlichen Figuren in einer Zeit des Umbruchs und wirtschaftlicher Probleme geprägt ist, so ist sie doch von zeitloser Aktualität. Es ist fast erschreckenend, dass es keiner unpassenden Aktualisierungsversuche bedarf, um auch heutige Probleme auf den Punkt zu bringen.

In erster Linie mag das Stück wohl eine Komödie sein und eine Inszenierung ohne den nötigen Humor würde sicherlich nicht Horváth entsprechen, aber hinter jeder Fassade tun sich Abgründe auf...

An dieses Stück hat sich nun ein Literaturkurs gewagt und die Umsetzung ist gelungen - Zuschauer und Presse waren begeistert und auch den Beteiligten hat das Drama so viel Spaß bereitet, dass es zu einer weitere Aufführung nach den Sommerferien kam. Nach einigen Monaten und ohne festen Schulstunden, aber mit viel Freizeiteinsatz wurde die zweite Aufführung nochmal etwas besser. Eine zweite Aufführung oder eine nach den Ferien hat bisher noch kein Kurs zustande gebracht.

Figuren und ihre Darsteller
Alfred Benjamin Rauhaus
Marianne Sylvana Seddig
Oskar Lukas Endler
Valerie Ruth Strickling
Zauberkönig Thilo Eicker
Rittmeister Vasilis Pavegos
Erich Klaus Petschel
Havlitschek Uwe Link
Mutter Johanna Sandvoss (1. Aufführung)
Theresa Rauch (2. Aufführung)
Großmutter Laura Schmidt
Hierlinger Ferdinand Felix Strobel
Mister Nikolas Kerschke
Baronin Verena Feld
Conferencier Lars Masnitza
Beichtvater Sebastian Voßhall
Ida Carina Bolz
Emma Julia Samwer
Gnädige Frau Melanie Uhles
Tanten Nadine Dziedzicki
Verena Feld
Dienstbote Johannes Lohmar
Tänzerinnen Laura Schmidt
Carina Bolz
Katharina Kühn
Mitwirkende
Regie Alexander Cramer
Katharina Kühn
Lars Masnitza
Textedition Verena Feld, Julia Samwer, Felix Strobel
Bühnenbild Carina Bolz, Verena Feld, Nikolas Kerschke, Max Peter, Laura Schmidt,
Kostüme Verena Feld, Ruth Strickling
Technik Christian Schnabel (Ltg.), Caius Hermanns, Martin Eisenblätter, Pascal Foussier, Stephan Klein,
Lichtgestaltung Christian Schnabel
Musik Uwe Link, Julia Samwer (+ Live), Johanna Sandvoss
Chereographie Sylvana Seddig, Ruth Strickling
Maske Alexandra Boruta, Caroline Pordzig
Souflagge Katharina Kühn, Max Peter
Programmheft Johannes Lohmar, Felix Strobel, Christian Schnabel (Layout, Satz + Fotos)
Werbung Verena Feld, Johanna Sandvoss
Trailer (2.Aufführung) Christian Schnabel, Lars Masnitza
Betreuung Jutta Kabelitz